Aus dem Rathaus

Verkauf der kommunal getragenen Windkraftanlage im Windpark Hainhaus


In ihrer letzten Sitzung hat die Gemeindevertretung einstimmig dem Verkauf der von der Gemeinde Lützelbach gehaltenen Kommanditanteile an der Windpark Hainhaus GmbH & Co. KG zugestimmt. An diesem Unternehmen, das 2012 zwecks Erwerb und Betrieb der Windkraftanlage Nr. 7 im Windpark Hainhaus gegründet wurde, ist die Gemeinde mit 45 % beteiligt. Weitere Gesellschafter sind die Odenwald-Regionalgesellschaft (OREG) mit ebenfalls 45 % und die Energiegenossenschaft Odenwald (EGO) mit 10 %.

Gemeinsames Ziel der drei Gesellschafter ist der Komplettverkauf des Unternehmens als sogenannter „share deal“. Das dem Verkauf zugrunde liegende Angebot basiert auf einer rückwirkend zum 01.01.2021 vorgenommenen Unternehmensbewertung in Höhe von knapp 3,4 Mio €. Diese beinhaltet die Übernahme der zum Stichtag noch bestandenen Bankschulden, die Ablösung der Gesellschafterdarlehen und darüber hinaus noch einen Kaufpreis für die Kommanditanteile in Höhe von rd. 167.000 €. Für die Gemeinde Lützelbach bedeutet dies die vollständige Rückzahlung des von ihr als Gesellschafter dem Unternehmen gewährten Kredites von 576.000 € und zusätzlich einen anteiligen Gewinn aus dem Verkauf der Kommanditanteile von rund 75.000 €.

Hintergrund des angestrebten Verkaufes ist die Unzufriedenheit der Gesellschafter mit dem seitherigen Verlauf ihrer wirtschaftlichen Betätigung. Wie mehrfach berichtet, ist in dem Unternehmen bis zum Jahresende 2021 ein kumuliertes Defizit von über 900.000 € entstanden. Dahinter stehen vielschichtige Ursachen, zu denen neben der schwankenden Windausbeute auch die spezielle Finanzierungsstruktur und technische Schwierigkeiten im Anlagenbetrieb gehörten bzw. gehören. Deshalb möchten die Gesellschafter die mit einem Weiterbetrieb der Anlage verbundenen Risiken vermeiden, auch wenn sich aus der derzeitigen Preisentwicklung an der Strombörse durchaus Chancen ergeben und eine abschließende Bewertung eigentlich erst nach 20 Jahren Betriebslaufzeit möglich ist.

„Am Ende ist das eine Abwägung, bei der für uns der Sicherheitsaspekt überwiegt, der mit dem jetzt in Aussicht stehenden Verkauf zu attraktiven Bedingungen verbunden ist“, betont Bürgermeister Uwe Olt. Für die Gemeinde sei von zentraler Bedeutung, das dort hinterlegte Kapital künftig für andere wichtige kommunale Investitionen einsetzen zu können. Dass darüber hinaus noch ein Gewinn entstehe, sei ein zusätzlicher Pluspunkt, über den man sich freue. Zusammen mit der Avalprovision und den Zinsen, die die Gemeinde in den letzten Jahren aus ihrer dem Unternehmen zunächst gewährten Bürgschaft bzw. dem späteren Kredit erhalten hat, liege der mit dem Invest verbundene finanzielle Gesamtvorteil für die Gemeinde voraussichtlich bei rund 150.000 €, was das Engagement letztlich in einem positiven Licht erscheinen lasse.

Der Bürgermeister betont, dass der Verkauf keine Abkehr von der positiven Grundsatzeinstellung sei, die die Gemeinde den regenerativen Energien entgegenbringe: „Die Windkraftanlage Nr. 7 wird auch künftig `grünen` Strom produzieren und ihren Beitrag für die Energiewende leisten.“

Nachdem auch die Aufsichtsräte der OREG und EGO dem Verkauf grundsätzlich zugestimmt haben, muss nunmehr noch der Kreistag sein Einverständnis erteilen, da der Odenwaldkreis maßgeblicher Gesellschafter der OREG ist. Dort soll das Thema am 05.09.2022 behandelt werden. Dessen Zustimmung vorausgesetzt, könnte es danach zum Abschluss des Kaufvertrages kommen.